Erste mediale Aufmerksamkeit: Muslime fordern Gebetsraum in der Stuttgarter City

Im Sommer 2014 berichtete die Stuttgarter Zeitung erstmals ausführlich über die gemeinsame Initiative mehrerer Moscheegemeinden, in der Innenstadt einen zentralen Gebetsraum einzurichten. Enes Begovic tritt dabei als Sprecher der bosnischen Gemeinde in Wangen hervor und macht deutlich, wie groß der Bedarf ist.

8/14/20142 min read

Im August 2014 erhielt das Projekt eines zentralen Gebets- und Begegnungsraums für Muslime in Stuttgart erstmals breite mediale Aufmerksamkeit. Ein Artikel der Stuttgarter Zeitung legte offen, wie mehrere Moscheegemeinden, die bisher eher isoliert agierten, sich zusammengeschlossen hatten, um gemeinsam ein Angebot in der City zu schaffen. stuttgarter-zeitung.de

Rund 60.000 Muslime aus mehr als 50 Ländern leben zu diesem Zeitpunkt in Stuttgart. Etwa die Hälfte von ihnen stammt aus der Türkei; daneben sind Bosnier, Menschen aus arabischen Ländern und Afrika vertreten. Insgesamt gibt es ungefähr 30 Moscheegemeinden und Gebetsgruppen, doch die meisten Gebetsräume liegen in den Außenbezirken. In der Innenstadt gibt es keine Einrichtung, die den Bedürfnissen der muslimischen Gläubigen angemessen entspricht.

Einer derjenigen, die sich in dieser Initiative besonders hervortun, ist Enes Begovic von der bosnischen Moscheegemeinde in Wangen. Er wird als Vertreter im Arbeitskreis „Muslime und Integration“ genannt, der mit acht größeren Moscheegemeinden arbeitet. Begovic berichtet, dass das Bedürfnis nach einem Gebetsraum enorm sei:

„Wer etwa das wichtige Mittagsgebet vollziehen wolle, müsse sich in der City heute irgendeine dunkle Ecke suchen, oder er störe andere damit vielleicht, weil er für diese sichtbar sei.“

Was damals konkret geplant war
  • Enes Begovic und Elvir Ibrahimovic, beide aus der Moscheegemeinde in Wangen, wurden beauftragt, gemeinsam mit den beteiligten Gemeinden die Rahmenbedingungen und den Bedarf detaillierter zu erfassen.

  • Auch die Stadt war eingebunden: Levent Günes von der Integrationsabteilung begleitete den Arbeitskreis. Es war klar, dass eine Raumgröße von 200 bis 300 Quadratmetern nötig sein würde – unter anderem, um getrennte Gebetsbereiche nach Geschlechtern sowie einen Waschraum (Wudu) unterzubringen.

  • Allerdings: Erste Anfragen beim städtischen Liegenschaftsamt verliefen erfolglos. Es waren noch keine geeigneten Räume gefunden worden.

Bedeutung und Ausblick

Dieser Bericht markiert einen Wendepunkt: Die Diskussion über einen Gebetsraum war nicht mehr nur innerhalb der Gemeinden, sondern trat in die öffentliche Wahrnehmung. Das Projekt schien realistischer, weil konkrete Personen benannt wurden, gemeinsame Verantwortung angenommen wurde und die Stadtverwaltung als Partner aufgerufen war.

Enes Begovic kommentierte, dass so ein gemeinsames Projekt ein starkes Zeichen gesellschaftlicher Anerkennung sein könne – vor allem für jüngere Muslime, die sich Integration nicht als Abgrenzung vorstellen, sondern als Teil einer pluralen Stadtgesellschaft.